
Ich näherte mich unausweichlich dem letzten heftigen Anstieg. Gedanklich war ich schon bei KM 32, dort wo der höchste Punkt der Strecke gelegen ist und wo bekanntermaßen der Hammermann zuschlägt. Bei KM 30 wartete Bianca wieder auf mich. Gemeinsam nahmen wir die letzte große Steigung in Angriff. Jetzt musste ich noch mal richtig beißen. Aber ich hatte ja moralische Unterstützung an meiner Seite und die Kamera lenkte auch ein wenig ab. Bergauf nach vorne leicht gebeugte Haltung und kurze Schritte, so haben wir es im Lauftraining bei unseren Hügelläufen gelernt. Mein Tempo wurde immer schleppender, ich bekam das Gefühl auf der Stelle zu treten. Das war mit 5:40 Minuten mit Abstand mein langsamster und mühsamster Kilometer. Wir durchliefen eine Unterführung und dahinter lag das letzte steile Stück. Nur noch da hinauf und dann geht es bis ins Ziel bergab, diese Vorstellung beflügelte mich noch einmal.
Endlich war ich oben angekommen, doch vom Hammermann keine Spur. Nun konnte ich es rollen lassen, die Knie ordentlich anheben und dann lief es fast von alleine. Bianca gab mir noch Anweisungen für die letzten 10 km und verabschiedete sich bis KM 39. Thomas auf dem Segway verfolgte mich bis ins Ziel. Nach dem der Hammermann sich nicht zeigte, beschloss ich ihm auch keine weitere Chance zu geben und rannte los, so dass er mich nicht mehr einholen konnte.
Nur noch 4 Kilometer. Zwischen Kilometer 38 und 39 war noch mal ein kleiner Anstieg, den ich aber flugs ohne Tempo Verlust überwand. Wie angekündigt, gesellte sich Bianca ab KM 39 wieder zu mir und feuerte mich noch mal richtig an. Bianca machte mich lautstark darauf aufmerksam, dass noch eine Zeit unter 3:40 h möglich ist und rannte los. Das spornte mich natürlich noch mal richtig an. Ich setzte meinen Tunnelblick auf und klemmte mich hinter Bianca. Der Zug nahm Fahrt auf. Augenblicklich zog es mich auf die Überholspur, wiederum kassierte ich einen Läufer nach dem anderen ein, das machte richtig Spaß. Meine Kraft reichte noch aus, um schwächelnden Läufern während ihrer Gehpausen im Vorbeilaufen auf die Schulter zu klopfen und zum Weitermachen aufzumuntern. Sie nahmen es dankbar an und mich puschte das natürlich auch noch mal. Jedoch fingen meine Beine jetzt langsam an zu Jammern und die Oberschenkel brannten höllisch. Der Schlussspurt war verdammt anstrengend, doch in meinem Kopf schwebte die 3:39:xxh bei Zieleinlauf. Die Uhr zeigte jetzt ein Tempo von 4:35 min/km, doch es wurde mit 4:25 min/Km noch schneller.

Im Ziel fühlte ich mich gar nicht ausgepowert oder erschöpft. Mir ging es richtig gut. Darum gab es direkt nach Überquerung der Ziellinie noch ein Interview, welches wohl durch die Überdosis an Endorphinen total abgedreht wirkt. Wir verweilten noch einige Zeit im Zielbereich und ich ließ die tolle Atmosphäre im Stadion auf mich einwirken. Ich sog noch mal die vielen schönen Momente in mich auf und diese bleiben für mich für immer unvergessen. Später bekam ich auch meine wohlverdiente Medaille umgehängt, eine wunderbare Erinnerung an ein einmaliges Erlebnis.
Mein 1. Marathon war wirklich etwas ganz besonderes und ein toller Erfolg. Ich bin immer noch begeistert. Das war bisher mit großem Abstand mein schönster und perfektester Lauf und wird es wahrscheinlich auch noch für lange Zeit bleiben.
Es hat einfach alles auf den Punkt genau gepasst. Von der Renneinteilung, über meine körperlichen Verfassung und meinen Kampfgeist, bis hin zur Verpflegung auf der Strecke. Bei letztgenanntem habe ich auch ein wenig den Überblick verloren. Waren es nun 8 oder 10 Gels und 15 Flaschen Wasser??? Zumindest kann ich sagen, es hat gut gereicht.
