NEWS - Berlin Marathon 2010

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Berlin Marathon: Die Leichtigkeit des Laufens - Teil III
Von wegen - Komplett flache Strecke!
Während du jetzt in meinem Bericht - wie ich auf der Strecke - auf den Zeitpunkt wartest, wo das Nachlassen der Kräfte einsetzt, möchte ich gründlich mit einem weit verbreiteten Vorurteil aufräumen.
Die Strecke in Berlin ist absolut nicht 100% flach. Mal von den kleineren (sozusagen winzigen) Anstiegen an Brücken etc. abgesehen, muss die Strecke auf der ersten Hälfte einen kaum zu spürenden, ganz leichten aber stetigen Anstieg haben. Denn nach KM 25 kommen drei oder sogar vier längere Passagen mit deutlichem Gefälle. Du kannst dir sicher vorstellen, wie motivierend das wirkt. Du wartest ständig darauf, dass du langsamer wirst. Satt dessen beschert dir das Gefälle ein Supertempo. Habe ich mir das nur eingebildet?

Wohl kaum! Auch das KM30-Schild passiere ich mit lockerem Schritt. Das Erbsenkonto wächst weiter und weiter. Nun habe ich KM 33 im Visier - jetzt wird’s kritisch - oder? Keine Spur. Unglaublich! Ich halte das Tempo, bin nicht müde und habe noch Kraft. KM 35 - der Sightseeing-Highlight-Abschnitt beginnt. Das Publikum wird immer lauter. Die Stimmung - auch meine - ist einfach super. KM 39 - ich muss mich etwas motivieren „Gleich geschafft!“, halte aber locker das Tempo.

Überraschung bei KM 40. Die offizielle Zeitmessung zeigt 2:49h. Wow! Ich weiß, jetzt brauche ich noch maximal 10 Minuten bis ins Ziel. Ich bin also voll im Plan und werde meine „Sub3“ schaffen. Das macht mich total happy! Mit einem breiten Lächeln biege ich von der Leipziger zum Gendarmenmarkt ab, mit dem mich ca. 10.000 Erinnerungen aus 25 Jahren verbinden. Heute kommt ein Höhepunkt dazu. Ankunft auf den Linden - KM 41 - ich gebe noch mal Gas. Au, das ist hart. Die Akkus sind fast leer. Aber den letzten km will ich unter 4’00’’ laufen. Los! Streng dich an! Knie hoch! Au, au …
Brandenburger Tor voraus. Wie zu erwarten steht auch hier mein Promotion-Team noch einmal: „Los Dirk, du schaffst das!“. Klar! Mit solchen Freunden wie euch - keine Frage. Ihr habt es geschafft, mich ab KM 12 an acht Stellen anzufeuern - auf 30 km eine logistische Meisterleistung von Kerstin, powered by BVB. Von wegen „Red Bull“ verleiht Flügel! Nee, det waht iha!!!
80 Erbsen.
Es fällt mir schwer, meine Gefühle zu beschreiben, als ich nach 2 Stunden 58 Minuten und 40 Sekunden die Ziellinie passiere. Erst mal bin ich total erschöpft (vom letzten km ;-) und glücklich, dass sich das viele
Training ausgezahlt hat und
Biancas Taktik so brillant aufging. Die zweite Hälfte lief ich mit 1:28.50 h schneller als die erste mit 1:29.50 h. Vor dem Rennen hätte ich jede Wette angenommen, dass ich das nie schaffe. Das überschäumende Glücksgefühl, das ich vom Ziel meiner ersten drei 42er kenne, bleibt jedoch aus. Auch hier ist Berlin für mich einfach anders. Es ist eher eine stille Freude, fassungsloses Staunen über den Verlauf des Rennens, seine Leichtigkeit, eher große Zufriedenheit und Stolz auf 80 Erbsen.
Merci!

Bianca, ich weiß auch nicht, wie wir das hinbekommen haben. Was ist unser Erfolgsgeheimnis für die „
Leichtigkeit des Laufens“? Ich denke, es hat weniger mit der konkreten
Marathonvorbereitung zu tun, mehr mit der Tatsache, dass ich seit über zwei Jahren kontinuierlich mit dir trainiere, meine läuferische Basis sukzessiv immer besser wird. Sehe ich mir meine Marathonentwicklung an (2008 3:13 h, 2009 3:05 h, 2010 2:58 h) frage ich mich, wo das noch hinführen soll ;-). Der Vorbereitungszyklus 2010 war einfach perfekt. Das
Training forderte mich, ich hatte aber nie das Gefühl, ausgepowert zu sein. Obwohl das Trainingsniveau deutlich über dem des Vorjahres lag, gab es fast immer noch „Reserven“. Ich hatte auch immer Lust auf das Training und vor allem
in den Trainingsgruppen machte es mir immer viel Spaß zu Laufen. Danke also auch an dich, liebe/r Leser/in!
Außer einem guten Trainingsplan, einem gescheiten Coach, Gleichgesinnten und Durchhaltevermögen braucht es ein geduldiges „Umfeld“, um eine Marathonvorbereitung erfolgreich durchzustehen. Merci cheri!