
Mein liebster Moment ist Jetzt. Von hier peile ich Ziele an und gehe einfach darauf zu. Mit dem kurzen und plötzlichen Gedanken, mich wieder bewegen zu wollen, stand ich Anfang 2011 von meinem Meditationskissen auf und lief einfach los. Wollte ich etwas im Innen wie Außen verändern, so hatte mir Bewegung immer geholfen. Mit dieser Absicht, habe ich gezielt nach Lauftrainings gesucht und die running company von Bianca Meyer schnell gefunden. Das war im nachhinein betrachtet mein größtes Glück, aber kaum Zufall.
Der Anfang war beschwerlich und sehr kalt. Am 13. Januar 2011 hechelte ich gedrängt von meinem Willen sowie geduldiger Motivation Biancas im ersten Probetraining nach langer Pause ungeübt den Sendlinger Berg hoch und spürte jede Faser meiner Muskeln. Diese Bewegungsmomente sollten jedoch genügen, um durch lange Krankheit und noch länger währende Nachbehandlung verschüttete Glücksgefühle wieder zu aktivieren. Die Chemotherapien 2005, Operationen und unzählige Bestrahlungen 2006 hatten mich geradezu über Jahre lahmgelegt. Zudem haben 5 Jahre antihormonelle Therapie den Stoffwechsel ausgebremst und mich um 25 Kilo anschwellen lassen. Doch sollte es helfen, hieß es, am Leben zu bleiben.
Und eins ist mal sicher: der Körper erinnert sich und weiß, was ihm gut tut. Mit diesem Wissen und der Inspiration meines sportlichen Vorbilds Lance Armstrong trainierte ich fortan regelmäßig. Mit der Unterstützung und dezidierter Trainingsplanung Biancas lief ich zusätzlich drei Mal wöchentlich allein. Sie weiß schon, bevor ich es erkenne, was ich mir läuferisch zumuten kann. Darauf vertraue ich.
So langsam kam ich wieder in Schwung und konnte bei der 5x5 Teamstaffel im Münchner Westpark die erste erlaufene Wettkampfstrecke feiern. Die Teamatmosphäre war locker und witzig, Köbi über zwei Runden hinweg meine Laufflüsterin, die mich um die Kurven ermunterte.
Kaum 6 Wochen später, meldete ich nur einen Tag vor dem Münchner Stadtlauf von 5 km auf 10 km um. Warum nicht: Das Selbstvertrauen war da, die Trainingseinheiten geleistet und Grundlagenausdauer vorhanden. Ich rannte also einfach mal locker die Stadtlauf-Strecke durch den Englischen Garten. Am Seehaus wurde ich mir bewusst, wenn mich keine Ente mehr beißt, schaffe ich es ins Ziel am Marienplatz. An der Reithalle begann ich jene zu überholen, die vorher schnellen Schrittes an mir vorbei gezogen waren. Optimal lief es und am Hofgarten legte ich so sehr an Tempo zu, dass ich auf den letzten 400 m wieder runterbremsen musste, um überhaupt anzukommen. Mit Sambarhythmus und Publikumsjubeln war es harmonisch geschafft.
Wir lernen mit den Erfahrungen. Die kleinen und große Schritte im Training, immer mehr Tempoläufe, längere Läufe, ausdauernde Fahrradtouren führten gleichfalls zu mehr Ausdauer und Bewegungswissen. Besonders Bibi Höfts eindrückliche Ermunterungen, doch immer noch einen Lauf extra zu bewältigen, obgleich der Geist schon den Trainingsabschluss genießt, haben mich vorangebracht. Umso schlüssiger schien das Vorhaben, den Halbmarathon von Altötting Anfang September mitzulaufen.
Alle Vorbereitung auf das internationale Ereignis in der katholischen Hochburg konzentrierten sich auf die zu leistende Strecke von 21,1 km durch Stadt und Wald. Noch am Start kam der Gedanke auf, ob wohl noch jemand da sein würde nach meiner Ankunft. Ich nahm mir eine Zeit von 2:45 Stunden vor und lief los. Danach tauchte ich ab in einen meditativen Zustand, der allenfalls gleichmäßiges Atmen ausdrückte, und „single pointed concentration“, dem Fokus auf das Laufen selbst, sonst nichts. Es gibt demnach nichts zu erreichen, außer der Verstand manipuliert den Moment.
Wie aus dem Nichts radelte nach Kilometer 20 - einige hundert Meter vor dem Ziel - Bianca auf mich zu. Es folgte ein gemeinsamer Zieleinlauf besten reality-Kinos und das Ergebnis feiern inzwischen wohl alle laufbegeisterten Menschen mit. Geschafft: 21,1 km in 2 Stunden 45 Minuten. Auf dieser Erfahrung baue ich nun auf.
Diesen Moment des Laufs zu mir Selbst werde ich niemals vergessen und danke für beste Trainingskonzepte, die individuelle Abstimmung auf meine spezielle Situation zu Beginn und ungeschnörkelte Trainings-Kommunikation. Ich möchte ganz besonders den Trainerinnen Bianca, Bibi, Janne sowie meinen Lauf-friends danken. The best is yet to come und mein persönlicher Traum, den New-York-Marathon im Jahr 2014 zu laufen.
Lauf einfach los!
Lhamo Ute Eggert