
Christine war dabei, beim New York Marathon 2009 – Ihr erstes Mal. Bevor Sie selbst Ihre Renngeschichte erzählt noch ein paar Infos wie es dazu kam. Kennen gelernt hatten wir uns Ostern 2009 im RUNNING Company Laufcamp in der Toskana. Christine war eine von 2 Mädels aus der Schweiz. Auch wenn man sich damals noch nicht kannte, war gleich klar, die Wellenlänge passt. 7 Laufcamp Tage später, in denen wir viel gelacht und gemeinsam geschwitzt haben, war ebenso klar, dass das nicht das Ende war. Um den Traum New York wirklich wahr zu machen, setzten wir unsere Zusammenarbeit fort - RUNNING Company Trainingsplan Coaching. Woche für Woche hat Christine ihren Plan, mit dem für sie optimalen Training erhalten und außerdem die nötige Motivation für die Tage, an denen es mal nicht so lief. Und Christine, es hat sich gelohnt und du warst einfach toll. 4:55.27 h – ich bin stolz auf dich Christine, dein Coach Bianca.
Genau vor 17 Jahren – damals war ich Au Pair in der Nähe von New York – hat alles angefangen: Meine damaligen Gasteltern sind am 1. November 1992 den NYC Marathon gelaufen und ich habe mit Spencer und Travis, meinen beiden Au-Pair Kindern im Ziel gewartet.
Damals habe ich mir gedacht: ‚Wäre doch toll, diesen Lauf auch mal zu machen’.
…erst viele Jahre später war der richtige Zeitpunkt gekommen und ich habe diesen sensationellen, unvergesslichen Event miterleben und mitlaufen dürfen.
Bei der Barilla Pasta Party im Central Park am Tag vor dem Marathon kamen dann auch die lebhaften Erinnerungen an die Zeit damals wieder zurück: Mit den Eintrittskarten meiner Gasteltern war ich mit einer Freundin dort und wir haben geflunkert, wir würden den Marathon mitlaufen – damals hätte ich keine 5 Kilometer geschafft!
Karin (auf dem Foto links) und ich (auf dem Foto rechts) haben uns ein dreiviertel Jahr auf dieses Event vorbereitet … unzählige Stunden von langen und kurzen Läufen bei allen Wetterlagen liegen hinter uns …und jetzt stehen wir plötzlich in Staten Island vor der Verrazano-Narrows Brücke und warten auf den Startschuss …ein unglaubliches Gefühl … jetzt geht es wirklich los! ..und ich bin wirklich mit dabei! So richtig kann ich es noch gar nicht realisieren …langsam bewegt sich die Menschenmasse Richtung Brücke … Franks Sinatras „New York, New York“ tönt aus den Lautsprechern … und plötzlich ist sie da – die Startlinie – WOW! Ja, jetzt merke ich – ich bin wirklich dabei!
Während dem Lauf über die Verrazano-Brücke hat man eine sensationelle Aussicht über Downtown Manhatten und die Statue of Liberty. Unglaublich – ich bekomme Gänsehaut! Dann passiere ich die 1. Meilenmarkierung noch auf der Brücke … der 1. Meilenstein ist geschafft!
Ein sensationelles Publikum wartet auf uns in Brooklyn – eine jubelnde, kreischende tanzende Menge …und es scheint, dass den Zuschauern jeder einzelne Läufer am Herzen liegt und sie jeden persönlich anfeuern.
Ein weiterer wunderbarer Moment war die Queensboro Bridge mit tollem Blick auf die Skyline von Manhatten. Auf der Brücke selbst durften keine Zuschauer stehen und deshalb war es dort sehr ruhig …man hörte nur die Schritte der Läufer. Je mehr wir uns Manhatten auf der anderen Seite der Brücke näherten war eine Art „Raunen“ zu hören … das immer lauter wurde und beim Erreichen der 1st Avenue in ein lautes Tosen übergeht: Die Zuschauer säumen dichtgedrängt den Strassenrand und jubeln, trommeln und kreischen wie in Ekstase – man fühlt sich fast wie ein Star, der eben die Bühne betritt.
Jeder Läufer hat seine Geschichte und Motivation warum er mit dabei ist: in Erinnerung an den verstorbenen Vater, um den besiegten Krebs zu feiern, für eine wohltätige Organisation etc.
Beeindruckt war ich auch von den zahlreichen körperlich behinderten Athleten, die teilweise mit Beinprothesen und auf Krücken die 42 km gemeistert haben – die wahren Helden des Laufs! Dabei wurde mir bewusst, dass nur das Ankommen wirklich zählt und die Zeit absolut nebensächlich ist.
Ein einziger Gedanke steht bei diesem New York Marathon letztlich im Vordergrund: Mitlaufen und Durchhalten ist alles! Jeder, der die Ziellinie überquert, ob in zwei Stunden und neun Minuten (wie der Sieger) nach über 10 Stunden wird gleichermaßen wie ein Held gefeiert und läuft unter tosendem Beifall über die Ziellinie … beindruckend auch der älteste Teilnehmer Peter Harangozo, der mit 88 (!) Jahren nach 7 h 53 Minuten ins Ziel gekommen ist.

Die Ziellinie überquerend, weiß ich nicht, ob ich zuerst jubeln oder weinen soll – oder eben beides gleichzeitig – nach 4 Stunden und 55 Minuten bin ich im Ziel! Wir werden in silberne Aluthermofolien gepackt und alle Helfer hinter der Ziellinie beglückwünschen uns. Jeder wird seine persönliche Zeit brauchen, um zu fühlen und zu begreifen, was er am 1. November in New York erlebt hat.
Die Erinnerungen werden bei mir noch sehr, sehr lange lebendig sein: Die grandiosen Brücken, die kulturelle Vielfalt der durchlaufenen Stadtteile, die atemberaubende Skyline Manhattans, die Häuserschluchten, der kontrastreiche Central Park, die begeisterten Zuschauer und schließlich die Gemeinschaft der über 44.000 Laufverrückten, mit denen ich dieses Abenteuer geteilt habe. Wir alle sind nun Teil der unglaublichen 40-jährigen New Yorker Marathongeschichte geworden, die 1970 mit 127 Läufern begann und sich heute zum größten Marathon der Welt entwickelt hat.
DANKE an Bianca für die sensationelle und professionelle Vorbereitung auf den Marathon! … durch die Trainingspläne und das geballte „Läuferwissen“ hatte ich ein sehr gutes Gefühl, dass ich optimal vorbereitet bin.
DANKE an Karin, dass Sie mit dabei war und mich auch während der teilweise doch harten Trainingszeit unterstützt und angespornt hat … und auch die zahlreichen Tempotrainings im Stadion mit mir durchgestanden hat und mir immer wieder Mut gemacht hat, dass wir es schaffen.