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NEWS - ING New York City Marathon 2009


ING New York City Marathon Skyline

If I can make it there, ... New York, New York (I)


Vier Läufer der RUNNING Company starteten über die magischen 42 km in der Stadt, die niemals schläft - New York, New York. Für alle war es ein phantastisches Ereignis und alle sind auf dem Läufer Olymp im Central Park auch gut angekommen. Die Ergebnisse aus New York im Überblick:

Andreas Bosnjak, New Yorker, trainiert seit weniger als 1 Jahr für den Marathon und blieb gleich unter 4 h - 3:56.41 h, die 5. Bestzeit in acht Wochen!
Christine Hund, aus der Schweiz, seit dem Toskana Laufcamp in RUNNING Company Obhut und trotz Krankheit kurz vor dem Marathon sub 5 h beim 1. Versuch - 4:55.27 h, einfach toll!
Anita Hamacher, die Münchnerin im Bunde und Besucherin des RUNNING Company Lauftrainings, nach Knie-OP im Frühjahr kaum Aussicht auf Erfolg und dann wahnsinnige 5:19.29 h, super!
Karin Bindig, ebenfalls aus der Schweiz, von 0 auf 42 in zehn Monaten, 2 Mal RUNNING Company Laufcamp und in New York - 5:39.03 h und ein unvergeßliches Erlebnis, das ein Leben lang hält.

Karins New York Marathon Impressionen machen jeden Läufer heiß - seht selbst...


"Lange vor dem Wecker, der um 5.00 Uhr wecken sollte, sind wir wach an diesem Morgen. Die Aufregung ist doch sehr gross. Um 5.45 Uhr ist Treffpunkt in der Hotellobby, um dann pünktlich um 6.00 Uhr in Richtung Fort Wadsworth loszufahren. Während der ca. einstündigen Fahrt sprechen wir nicht viel und lassen noch die Eindrück des erwachenden New Yorks auf uns wirken. Nach einer guten halben Stunde Fahrt errichen wir die Varrazzano Narrows Bridge, die Brücke über die wir um genau 10.20 Uhr starten werden. Es bietet sich uns ein herrlicher Blick auf die Skyline von Manhattan. Noch regnet es leicht, aber die Vorhersage für den Tag ist gut. Nachlassender Regen und um die 14°C. Eigentlich ideale Lauftemperaturen. Das können wir uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht richtig vorstellen, es ist sehr kalt und wir müssen hier noch gut 3 Stunden ausharren. Plastikunterlagen und Zeitung im Gepäck, um sich irgendwo ein Plätzchen zu suchen, an dem man wenigstens nochmal kurz die Beine hochlegen kann.

ING New York City Marathon 2009 Nacht

Wie alles bisher, ist die Organisation wieder einmal perfekt, von Tee und Kaffee über Bagels, Donuts und Energieriegel ist alles vorhanden. Alles läuft geordnet ab und selbst die unendlich langen Schlangen vor den Toiletten lassen keinen verzweifeln. Wir haben ja schliesslich alle Zeit. Das "Startdorf" C ist in drei Farben aufgeteilt, um die Läufermassen etwas zu entzerren. Jede Farbe hat ihren eigenen Bereich.

Um 8.30 Uhr geht ein großes Raunen gefolgt von einem tosendem Beifall durch die Menge, die Wheelchairs machen sich auf den Weg zum Start. Ich bekomme eine Gänsehaut und frage mich, wie wohl unser Start sein wird. Es wird in drei Wellen gestartet, die erste um 9.40 Uhr, die zweite um Punkt 10.00 Uhr und wir in der letzten Welle um 10.20 Uhr. Innerhalb dieser Wellen gibt es drei Farben, die wiederum auf drei verschiedenen Linien starten, die dann nach 8 Meilen zusammenkommen.

Um 9.50 Uhr wird unsere Welle dann endlich aufgerufen und wir begeben uns zum Start. Vom Startschuss bis zum Überqueren der Startlinie werden mehrere Minuten vergehen. Es ist nach wie vor kalt und unsere schützende Kleidung, werden wir erst kurz vor dem Start loswerden. Diese geht an Bedürftige und Obdachlose - eine gute Einrichtung. Und dann ist es soweit, der Start steht kurz bevor, eine Sängerin singt die amerikanische Nationalhymne und dann folgt der Startschuss. Begleitet von Frank Sinatras "New York, New York" setzen sich die 13.000 Teilnehmer aus unserer Welle in Bewegung.


Es ist ein unglaubliches Bild, was sich uns bietet. Ein buntes Meer aus Läufern, teilweise verkleidet und mit schillernden Kostümen, macht sich auf den Weg über die erste große Hürde, die Verrazzano Narrows Bridge. Hier befinden sich noch keine Zuschauer und man hört nur das Trappeln hunderter von Läufern neben sich. Man versucht seinen Rhythmus zu finden und staunt über die Vielfalt an Nationalitäten und Sprachen. Manche laufen in Gruppen und unterhalten sich angeregt, manche versinken wie in eine Art Meditation und wieder andere kämpfen schon auf den ersten Metern mit einem viel zu hohen Puls. 40.000 Läufer 40.000 Geschichten, jeder erzählt eine andere, jeder hat eine andere Motivation hier zu laufen.

ING New York City Marathon 2009Da ist Graig aus den USA, der in Gedenken an seine kürzlich verstorbene Mutter läuft, Estefania aus Ecuador, die blind ist und von zwei "Achilles" Guides begleitet wird, da laufen Heather und Laura, die erfolgreich seit 5 Jahren gegen ihren Krebs kämpfen, Miguel aus Spanien, Tania, die auch ihren ersten Marathon läuft und heute Geburtstag hat und viele andere mehr, deren Geschichten mindestens genauso spannend sind, wie die von Graig, Estefania & Co. Die erste Meile dient zunächst als Orientierung, ob die Zeitvorgabe zu schaffen ist, ist sie, auch wenn es schwer fällt, sich nicht von den Massen mitreissen zu lassen. Man möchte so gern dem Strom folgen, der sich hochmotiviert in Richtung Brooklyn wälzt. Christine und ich trennen uns hier, jeder läuft von jetzt an sein Rennen.

Noch ist es ruhig an der Strecke, auch als ich die Brücke verlasse und die Stadtgrenze von Brooklyn erreiche ist es verhältnismäßig ruhig. Erst nach ca. 4 Meilen werden die drei Linien zusammen kommen. Wir sind in der grünen Linie gestartet und laufen zunächst eine ganz andere Strasse als die anderen. Nach der Brücke laufen wir auf dem Highway in Richtung Brooklyn Downton und ich bekomme einen ersten Geschmack, was mich erwarten wird. Die Strassen sind jetzt schon gut gesäumt von Menschen, die uns begeistert zurufen "Go go go". Das Tempo lässt sich gut halten und man ist sichtlich beeindruckt von den Menschen am Straßenrand, die hier über Stunden ausharren und auch die letzten Läufer von Meile zu Meile tragen werden.

ING New York City Marathon 2009 Skyskraper

Je näher ich zu dem Punkt komme, an dem die drei Linien zusammentreffen werden, desto mehr füllt sich der Straßenrand mit Menschen und als die erste Band spielt gibt es kein Halten mehr, wir Läufer reißen die Arme nach oben und bewegen uns im Takt zur Musik, klatschen die begeisterten Kinder ab und jubeln den vielen Zuschauern zu. Es werden Kleenex Tücher, Bananen und Wasser gereicht, die Menschen machen aus diesem Marathon ein Volksfest und fiebern förmlich mit.

Eine unglaubliche Woge an Emotionen schießt durch meinen Körper als ich den Punkt ereichen, wo die drei Linien zusammentreffen. Hier haben sich hunderte, wahrscheinlich tausende von Menschen versammelt, jubeln, schreien, feuern an und peitschen uns mit ihrer Musik nach vorne. Ein nicht enden wollender Strom an Menschen begleitet uns durch ganz Brooklyn. Die Beine machen gut mit, der Puls ist zwar erhöht, was ich aber auf die Aufregung und die Eindrücke schiebe und nicht auf das Lauftempo.

Und was ist das? Von einer Sekunde auf die andere verstummen die Rufe und die Musik - wir haben Williamsburg erreicht. Hier herrscht eine gespenstige Stille. Die Menschen am Straßenrand verrichten ihre Arbeit und würdigen uns keines Blickes, bis auf ein paar kleine Kinder am Straßenrand, die uns zuwinken, keine Reaktion... Wir sind im jüdischen Viertel von New York angelangt. Die Menschen hier verstehen nicht, wie man sich 42,195 km durch die Straßenschluchten von New York quälen kann. Zum Glück hatte ich diese Info schon im Vorfeld zum Lauf, sonst hätte mich das Verhalten schon sehr gewundert.

Aber zu diesem Zeitpunkt beschäftigt mich ein ganz anderes Problem: ich bekomme stechenden Hunger. Nanu, das ist mir ja noch nie passiert... Fast wäre ich in einen Supermarkt am Straßenrand und hätte mir eine Banane gekauft, aber die Rettung kam in Form eine älteren Dame, die halbe Bananen an die Läufer verteilte. Unglaublich!

Nach zwei Bissen Powerriegel und einer halben Banane geht es schon besser. Wenn nur das Wasser an den Getränkestellen nicht so lausig kalt wäre... Die Meilen fliegen nur so dahin und ich kann kaum glauben, dass ich gerade Meile 12 (Kilometer 19,2)  passiert habe. Die Menschenmassen nehmen wieder zu, Kurz vor Queens herrscht eine regelrechte Volksfeststimmung, ein Gospelchor hat seinen Gesang vor die Kirche verlegt und begleitet uns mit dem Song "Oh happy day". Mir stehen mehr als einmal an diesem Tag die Tränen in den Augen und ich versuche  krampfhaft alle dieser Bilder zu speichern und hoffe ich kann sie mir noch lange wieder hervorrufen und daran denken wie gut es mir in diesen Momenten ging."

--- to be continued ---